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Geschichte

Geschichte der Bayerischen Gebirgsschützen

47 Gebirgsschützenkompanien halten heute die viele Jahrhunderte alte Tradition
der Bayerischen Gebirgsschützen aufrecht. Ihre Geschichte geht zurück auf das
Landaufgebot der Bauern im Mittelalter. Eine wichtige Phase für die Gebirgs-
schützen stellt das letzte Viertel des 15. Jahrhunderts dar. Um das Land Bayern
vor "mutwilligem einzug und beschedigungen" zu beschirmen, wird die wehrhafte
Bürger- und Bauernschaft gebraucht. Ab 1488 werden deshalb verstärkt
Musterungen im ganzen Land durchgeführt. In den über diese Musterungen
aufgestellten Wehrmannschaften sehen wir die Vorgängerformationen der
Gebirgsschützen. Die Idee und die Funktion dieser Gebirgsschützen – nämlich
die Verteidigung ihrer unmittelbaren Heimat, ihrer Familien und ihres Besitzes –
sind über die Jahrhunderte gleich geblieben, ob die Formationen nun Landfahnen,
Landesdefension oder Gebirgsschützenkompanien heißen. In diesem geschicht-
lichen Zusammenhang betrachtet sich die Gemeinschaft der Gebirgsschützen nicht
nur als eine bloße Vereinigung oder als eine Organisation sondern als e i n e den
bayerischen Staat tragende Institution.

15. bis 18. Jahrhundert

1369 erste Erwähnung der "Püxen Schützen zu Reichenhall" als bürgerliche
         Schützenkompanie
1492 In ganz Oberbayern finden Musterungen der zur Landesverteidigung
         tauglichen wehrfähigen Männer statt. So liegen in den Archiven zahlreich
         Musterungslisten, z.B. aus den Landgerichten Aibling, Auerburg und
         Wolfratshausen, aus den Klostergerichten Benediktbeuern und Tegernsee
         oder aus der Hofmark Hohenburg und dem "Falkensteiner Gericht"
1525 Aufständische Schwazer Erzknappen suchen über das Werdenfelser Land
         und über das Benediktbeurer und Ettaler Klostergebiet die Verbindung
         mit den rebellischen schwäbischen Bauern. Zur Abwehr der von diesen
         aufrührerischen Schwazer Bergknappen befürchteten Gefahr und zum Schutz
         der Grenze gegen Tirol stellt der Abt von Benediktbeuern eine eigene
         Wachmannschaft auf.
1600 Herzog Maximilian setzt seine schon seit 1595 betriebenen Pläne zur
         Erneuerung der Landesdefension mit einer allgemeinen Landmusterung
         konsequent um.
1632 Schwedische Truppen dringen weit ins Oberland vor. Klöster werden
         geplündert, Dörfer und Märkte gebrandschatzt. Nach anfänglichen
         Rückschlägen gelingt es den gemeinsamen Aufgeboten der Gebirgs-
         schützen des Oberlands, die feindlichen Truppen zu vertreiben und im
         Westen entlang der Loisach und der Isar eine Verteidigungslinie aufzubauen.
         In den folgenden Jahren bis 1648 müssen sich die Gebirgsschützen
         wiederholt bewähren im Tegernseer Raum, an der Loisachlinie vom
         Kochelsee bis Beuerberg, im Isarwinkel, im Inntal und in den Orten von
         Aibling und Rosenheim bis nach Kiefersfelden.
1642 Ein 2300 Mann starkes Miesbacher Schützenregiment wird aufgestellt.
1702 Die Klöster Benediktbeuern und Tegernsee reorganisieren im Rahmen
         des allgemeinen Landes-Defesionswesens ihre Mannschaften zum Schutz
         ihrer Grenzen zu Tirol hin.
1703/1704 Die Mannschaften aus der Grafschaft Werdenfels, aus den Kloster-
         landen von Benediktbeuern und Tegernsee, aus den Herrschaften
         Hohenwaldeck und Hohenaschau sowie aus den Landgerichten Auerburg,
         Marquartstein, Reichenhall, Tölz und Traunstein bewähren sich im Abwehr-
         kampf gegen Angriffe aus Tirol als Schützer der engeren Heimat im Gebirge.
1704 Bayern wird unter kaiserlich-österreichische Administration gestellt. Die
         bayerische Bevölkerung muß furchtbar leiden unter einer rigorosen
         wirtschaftlichen Ausbeutung, der Einquartierung von rücksichtslosen
         Besatzungssoldaten und Zwangsaushebungen von Rekruten für das
         österreichisch-kaiserliche Militär.
1705 Die drückenden Lasten der Fremdherrschaft treiben die Bayern
         landesweit in den Aufstand. Diese Volkserhebung wird in Oberbayern
         getragen von der Organisation der Landesdefension, der Vorläufer-
         formation der Gebirgsschützen. In der sogenannten Sendlinger
         Mordweihnacht bricht dieser Aufstand in einer bitteren Niederlage
         zusammen. Sie fordert mit 1031 registrierten Gefallenen den höchsten
         Blutzoll in der langen Geschichte der Gebirgsschützen.
1742 Die Isarwinkler Schützen vertreiben die berüchtigten Trenck’schen Panduren.
1791 In Reichenhall und in Traunstein wird ein eigenes "Salinencorps" aufgestellt. 

19. Jahrhundert

1805 Die "Organisation eines Corps baierischer Gebirgsschützen" zum Schutz der
         bayerischen Südgrenze wird aufgebaut. Schon nach drei Monaten wird das
         Corps aber wieder aufgelöst, weil sich die Gefahrenlage an der bayerischen
         Südgrenze entschärft. hat.
1809 Die Bewohner des in das Königreich Bayern eingegliederten Landes Tirol
         erheben sich unter dem Kommando von Andreas Hofer gegen die
         bayerische Verwaltung. Ein nicht unwesentlicher Teil der dafür aufgebotenen
         Schützenkompanien unternimmt unter dem Befehl des   Schützenmajors
         Teimer zusammem mit Einheiten des öster-reichischen Militärs ausgedehnte
         Streifzüge nach Bayern, um dort Kontributionen ein-zutreiben. Raub und
         Erpressung kennzeichneten ihren Weg. Besonders schwer betrof-fen durch
         Plünderung und Demolierung war z. B. das königliche Gut Schwaiganger bei
         Murnau. Die Ausfälle der Tiroler erfolgen entlang der gesamten bayerisch-
         tirolischen Grenze vom Steinpaß bei Mellek und Schneizelreuth bis zum
         Graswangtal im Ammergau.
1809 Nach dem Muster von 1805 wird ein Gebirgsschützenkorps wieder-
         errichtet. Dieses Corps ist die dringend notwendige Antwort auf die im
         April 1809 von Tirol begonnenen und systematisch fortgeführten Grenz-
         übergriffe gegen die bayerische Zivilbevölkerung. Die Gebirgsschützen
         unter dem Oberbefehl von Graf Arco behaupten sich in heftigen Kämpfen
         bei Lenggries, ganz besonders auf dem Schelmbichel bei Kochel und bei
         Spatzenhausen/Murnau sowie am Steinpaß.
1813 Erneut stehen die Gebirgsschützen Wache im bayerisch-tirolischen Grenzgebiet.
1829 König Ludwig I. besucht Tölz. 500 Gebirgsschützen aus Wackersberg,
         Lenggries und Gaißach stehen den Markt hinauf Spalier
1835 Einweihung der König Otto Kapelle bei Kiefersfelden. Zwei Kompanien
         aus Schliersee und aus dem Leitzachtal melden sich dazu freiwillig zum
         Paradedienst.
1835 Die Gebirgsschützenkompanien von Gaißach, Lenggries und Wackersberg
         erregen großes Aufsehen beim Festzug anläßlich der Silberhochzeit von
         König Ludwig I. und des 25 -jährigen Oktoberfestjubiläums.
1842 Die Gebirgsschützenkompanien von Lenggries, Wackersberg und
         Reichenhall nehmen aus Anlaß der Vermählung des Kronprinzen
         Maximilian am sogenannten Brautzug teil.
1848 Erlaß der "Gebirgsschützenordnung von Oberbayern"
1866 Erlaß einer "Technischen Instruktion für die Organisation der
         Gebirgs-Schützen"
1869 Auflösung der Gebirgsschützen als staatliche Organisation
1870 Einige Kompanien, wie die von Benediktbeuern, Gaißach, Gmünd,
         Lenggries, Schliersee und Wackersberg, bestehen als privatrechtliche
         Vereinigungen weiter.

20. Jahrhundert

1900 Errichtung des Schmied-von-Kochel-Denkmals in Kochel in Anwesenheit
         der damals noch existenten Gebirgsschützenkompanien von Benediktbeuern,
         Gmund, Gaißach, Lenggries und Wackersberg.
1905 Errichtung des Oberländer Denkmals in Waakirchen ebenfalls in
         Anwesenheit der vorgenannten "alten" Kompanien.
1911 Errichtung eines weiteren Oberländer-Denkmals in Neukirchen, in der
         Vorhalle der Neukirchner Pfarrkirche
1919 Kronprinz Rupprecht stiftet die Landesschützenfahne
1920 Weihe der Landesschützenfahne in Tegernsee
1949 Tag des Alpenländischen Volkstums in Rottach-Egern als 1. Treffen der
         historischen Gebirgsschützenkompanien nach dem 2. Weltkrieg
1951 Gründung des Bundes der Bayerischen Gebirgsschützen-Kompanien in
         Reichersbeuern
1951 Die Landesschützenfahne wird Bundesfahne
1953 Errichtung der "Kiem-Pauli-Stiftung der Bayerischen Gebirgsschützen"
1975 Proklamation der "Alpenregion der Schützen" in Innsbruck durch den
         Bund der Bayerischen Gebirgsschützen-Kompanien, den Bund der Tiroler
         Schützenkompanien und den Südtiroler Schützenbund".

Zusammengestellt von Martin Haberfellner (2003)

21. Jahrhundert

05.03.2001 Beginn des Internet-Auftrittes des “Bund der Bayerischen Gebirgsschützen-Kompanien”
05.05.2013 Segnung der neuen Bundesfahne beim Patronatstag in Gmund
04.05.2014 Der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Joachim Gauck, beim Patronatstag in Miesbach

Hinweise auf Literatur über die Bayerischen Gebirgsschützen und ihre Geschichte

- Hans-Günther Kaufmann, Dr. Gerhard Maier, Bayerische Gebirgsschützenkompanien,
   Miesbach ohne Jahr
- Dr. Gerhard Maier, Die Gebirgsschützen des Miesbacher Oberlands, Miesbach 1978
- Paul Ernst Rattelmüller, Die Bayerischen Gebirgsschützen, München 1977
- Leo Weber, Gerhard Maier, Bayerns Gebirgsschützen, herausgegeben vom Haus der
   Bayerischen Geschichte, Augsburg 1999
- Gebirgsschützen Inn-Chiemgau, herausgegeben vom Gebirgsschützenbataillon Inn
   Chiemgau, Landsberg am Lech 1996
- Schwarz fest im Aug Im Herzen weiß und blau, herausgegeben vom Bund der Bayerischen
   Gebirgsschützenkompanien, Wolnzach 2001 

 

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